Konferenz zur Infrastrukturentwicklung im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier am 25. Februar 2025 in der Stadthalle Cottbus.

Auf der Suche nach grüner Wärme

Brandenburgs erneuerbare Stromerzeugung ist weit entwickelt – bei der klimaverträglichen Wärmeversorgung dagegen stehen Städte und Gemeinden noch am Anfang.

Wie bringt die künftige Bundesregierung die Wärmeversorgung in Städten und Gemeinden auf Kurs in Richtung Klimaverträglichkeit? Was passiert mit dem stark kritisierten Gebäudeenergiegesetz (GEG) – wird es abgeschafft, wie im Wahlkampf gefordert, oder modifiziert? Auch diese Fragen beschäftigten die BDEW-Konferenz zur Infrastrukturentwicklung im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier am 25. Februar in Cottbus.

Kerstin Andreae vom Energieverband BDEW rechnet eher nicht damit, dass das GEG, auch Heizungsgesetz genannt, von der künftigen Bundesregierung vollständig geschleift wird. Worum es für die neue Regierung gehe, sei eine bezahlbare Wärmeversorgung, sagte Andreae. „Da braucht es mehr, als die vorherige Regierung geliefert hat“, so die BDEW-Geschäftsführerin in Cottbus.

Zwei Tage nach der Bundestagswahl versuchte sich die Energiebranche an einer Bilanz der vergangenen Legislaturperiode und an einem Ausblick. Dabei war viel von Vertrauen, Verlässlichkeit, Pragmatismus, Planungssicherheit und Kostenbewusstsein die Rede.

Minister Keller fordert Tempo bei Planung

Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen und Verbänden plädierten dafür, das Ausbautempo bei den Erneuerbaren beizubehalten und Aufgaben wie Stromnetzausbau, Schaffung eines Wasserstoffnetzes und wasserstofftauglicher Gaskraftwerke für Zeiten schwächerer Wind- und Solarstromerzeugung konsequenter anzugehen. Zur Energiewende gebe es keine Alternative, so der Tenor in Cottbus.

Auch Brandenburgs Landesregierung setzt konsequent auf Fortsetzung. „Wir brauchen Tempo auch bei Planung und Genehmigung“, sagte Daniel Keller, seit Dezember Minister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz. In keinem Bundesland gebe es mehr erneuerbare Stromerzeugungsleistung pro Kopf der Bevölkerung als in Brandenburg, merkte er an.

Die Wärmeerzeugung muss dagegen auch in Brandenburger Kommunen noch deutlich erneuerbarer werden. Kommunale Wärmeplanung spielt dabei eine wichtige Rolle. „Wir merken, dass das Instrument Wärmeplanung angenommen wird“, sagte Robert Brückmann, Leiter des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) in Halle.

Wärmenetze gelten als wichtige Option für die Umsetzung von Wärmeplänen. Städte vollständig über Wärmenetze zu versorgen, sei jedoch nicht möglich, mahnte Leif Christian Cropp, Geschäftsführer der EMB Energie Brandenburg GmbH, den nötigen Realismus an.

Geschäftsführer Leif Christian Cropp bei der Podiumsdiskussion des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft in Cottbus im Januar 2025.
EMB-Geschäftsführer Leif Christian Cropp stellte in Cottbus klar, dass für die kommunale Wärmewende sowohl Wärmenetze als auch dezentrale Lösungen gebraucht werden. Foto: BDEW Mitteldeutschland

Für Stadt und Land seien außerdem dezentrale Lösungen gefragt. In jedem Fall sollten die jeweils speziellen Bedingungen vor Ort einbezogen werden. „Es kommt auf lokale Lösungen an“, betonte Cropp.

Bei der Suche nach erneuerbaren Wärmequellen bringen auch Kommunen zunehmend Geothermie ins Gespräch. Von der Tiefengeothermie bis zur Nutzung oberflächennaher Erdwärme stehe eine „große Bandbreite an Technologien“ zur Verfügung, erläuterte der EMB-Geschäftsführer. Christiane Preuß, Geschäftsführerin der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP), berichtete über Pläne der brandenburgischen Landeshauptstadt, nach Thermalwasser für die Fernwärmeversorgung zu bohren.

„Bei der Finanzierung stecken wir fest“, lenkte Stefan Reindl, Vorstandsvorsitzender der Thüringer Energie AG den Blick auf einen zentralen Punkt der kommunalen Wärmewende. Ohne eine Veränderung der kommunalen Finanzierungsmöglichkeiten stießen Städte und Gemeinden an ihre Grenzen.

Finanzierungsoptionen für Kommunen verbessern

Ein Vorschlag ist, privates Kapital zu erschließen. In Potsdam gebe es Überlegungen, Bürgerfonds zur Finanzierung der Wärmewende aufzulegen, berichtete EWP-Geschäftsführerin Preuß. Auch ein Energiewendefonds mit privatem Kapital, der durch Bundes- oder Landesbürgschaften abgesichert wird, ist im Gespräch. Brandenburgs Landesregierung wolle Bürgschaftsprogramme auf den Weg bringen, die Kommunen ermöglichen, Drittmittel für Geothermie oder Fernwärme zu beschaffen, stellte Wirtschaftsminister Keller in Aussicht.

Weiter dringend erforderlich bleibt zudem öffentliche Förderung. Der BDEW empfiehlt, den Förderrahmen für Wärmenetze zu verbessern. Auch Geothermie werde ohne Fördermittel nicht kommen, stellte EMB-Geschäftsführer Cropp klar.

Das gleiche gilt für die Wasserstoffversorgung, die manche weiter als Option für die Wärmeversorgung sehen. Der Aufbau eines Transportnetzes für Wasserstoff sei auf den Weg gebracht; die Fragezeichen hinsichtlich der Produktionskapazitäten für Wasserstoff in Elektrolyseuren wie auch der Nutzung in Industriebetrieben und Kraftwerken seien jedoch noch groß, hieß es in Cottbus.

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Foto von Katharina Priessnitz

Katharina Priesnitz

Public Affairs & Energiepolitik